Lag baOmer / 14.05.2017 / 18. Iyar 5777

Das Wetter war noch nicht so richtig frühlingshaft, als wir uns gegen 14 Uhr an der Remise in Gatow trafen. Die Sonne schien, ein wenig wärmer wurde es auch, aber es hingen drohende Wolken am Firmament.

Die Ohelistas kamen jedoch reichlich und mit vielen Kindern – heute war Lag baOmer, wir wollten unser Feld vorbereiten und pflanzen, den 33. Omer feiern und Rabbi Schimon Ben Joachais Todestag am 18.Ijar begehen.

 ging es auf das Feld, auf dem sich bedingt durch die Kühle und den langen Winter noch alles in sehr ursprünglichem Zustand befand. Es hieß also, erstmal alles in Augenschein zu nehmen, einen „Plan“ zu machen, aber dann auch: Beikraut jäten, Hochbeete vorzubereiten, Bäume vor dem Zuwachsen schützen. Alle packten kräftig zu, Jonathan war ein eifriger Einsammler der herausgerupften unerwünschten Pflanzen, die anderen Kinder kümmerten sich liebevoll um die Bäume und Samuel und Aaron machten sich über die Hochbeete her, damit Jonathan nicht die Arbeit ausgehen konnte.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich arbeiteten auch die Erwachsenen und Eltern tatkräftig mit, es war viel zu tun! Nur Anpflanzen ließ sich noch nichts, denn es stehen noch ein paar kühle Nächte und Tage bevor und deshalb mussten wir das erstmal verschieben.

Jalda erzählte allen, was es mit diesem Tag auf sich hat: von der Krankheit, die die Schüler des Rabbi Akiba ben Josef dahinraffte (und tatsächlich durch die kriegerischen Auseinandersetzung mit der römischen Besatzungsmacht im Bar Kochba Aufstand zusammenhing), und schlagartig an diesem Tag ein Ende fand, von der Mitzwa des Omerzählens zwischen Pessach und Schawuot, den 7 mal 7 Tagen, von Rabbi Ben Joachai, der mit seinem Sohn zwölf Jahre versteckt in einer Höhle lebte und der als Autor des Zohar, dem wichtigsten Werk der jüdischen Mystik, gilt. Rabbi Ben Jochai hat dieses Wissen mündlich weitergegeben. Der Zohar heißt auch Midrasch de Rabbi ben Jochai. Die ersten schriftlichen Nachweise finden wir erst Ende des 13. Jahrhunderts in Spanien. Moses de Leon brachte dieses Werk in die Welt.  Manche meinen, er sei der eigentliche Autor.

Auch die Frage, wieso es ausgerechnet der 33. Tag des Omerzählens ist, konnte Jalda mit ihrer persönlichen Auslegung erklären: zu Pessach ernten wir die Gerste und der Weizen wird gepflanzt. Schawuot ist der Beginn der Weizenernte. Erst einige Wochen nach dem Säen konnte festgestellt werden, ob das Korn tatsächlich fruchtbar war und die Ähren entsprechend mit Korn gefüllt – oder ob nicht eine Mißernte bevorstand.

Zurück ging es dann unter fröhlichem Geschnatter und Erzählen. In der Remise wartete auf uns ein leckeres Essen, eine köstliche Spargelsuppe, Salat und ganz viel Kuchen. Höhepunkt war sicher auch, dass das Feuer zu Ehren Rabbis Joachais von Anna mit Feuerstein und Zunder entfacht wurde – aller Skepsis manch eines Erwachsenen zum Trotz, denn Anna ist auch darin eine ganz besondere Meisterin.

Rita hatte extra für die Kinder Teig vorbereitet und mit Eifer standen alle um die Glut und buken ihre Stockbrote.

Es war ein ruhiger, ein besonderer Tag, nah dran an der Natur, an dem, was Ursprung und Quelle unseres Daseins ist. Unsere „green shul“ verstärkt die Verbindung zu diesem Ursprung und wir alle tragen damit zu Tikkun Olam bei.

Text: Esther Trapp

Fotos: Anna Adam / Esther Trapp