KONGRESS ARCHIV KONTAKT/IMPRESSUM LINKS AKTUELL Auf dieser Webseite findet ihr: Global Day of Jewish Learning: 13. November 2011/ Cheschwan 16, 5772 Sukkot 2011 24. Tischri 5772 - Schabbat Bereschit - Unser erster Bar Mizwa Ein wahres Sukkot-Märchen von Rita Reinicke Pflanzenfreundschaften 27. August 2011: Schabbes Mincha Lernen mit Rabbi Dr. Goldie Milgram Öko-Kaschrut II: Unser Bio-Feld im Sommer 2011 Lag baOmer 2011 und Öko-Kaschrut 2. Sederabend 2011/ Erew 16. Nissan Lernfest fuer Lilith und eine ganz besondere Menora Tu biSchwat 2011 Lernfest für Rabbiner Leo Trepp sel. A. Sukkot 2010 Ohel Hachidusch hat ein neues Zuhause Pessach 5770 - 2010 Purimfeier bei Ohel Hachidusch 27.2.2010 Beth Jacob Thora in Berlin Januar 2010: Fotos von Shir Tikvah Bericht über unser Thorafest am 28. November 2009 Anjas Rede zur Geschichte des Thora-Wimpels Artikel von Rabbiner Arnie Sleutelberg aus Troy/ Michigan, USA Bericht über unser workshop "Path of Love" vom 6.-8. November 2009 mit Rabbi Shefa Gold aus Jemez Springs, New Mexico/ USA Bericht über unsere Sukkot-Feier 2009 3. Juli 2009: Rabbinerin Frau Prof. Goodman-Thau zu Gast bei Ohel Hachidusch Pessach 2009: 2. Sederabend bei Ohel Hachidusch Global Day of Jewish Learning: 13. November 2011/ Cheschwan 16, 5772: Wir pflanzen 18 Bäume (chaj) im Ohel Hachidusch Öko-Kaschrut Garten in Berlin-Gatow Es war ein wunderbarerTag: sonnig und klar, einfach schön. Wir trafen uns am frühen Nachmittag in unserem Garten, um die neuen Obstbäume aus alten Sorten einer ökologischen Baumschule zu begrüssen. Jeder suchte sich seinen persönlichen Baum aus. Einige von uns wollten ihr Bäumchen in Erinnerung an ihre Vorfahren pflanzen, andere erfreuten sich an den Bäumen als solches, die b´estrat HaSchem eines Tages wachsen und sich ihres Lebens erfreuen würden. Dieses Jahr war unsere erste Säh-, Pflanz- und Erntezeit in unserem Öko-Kaschrut-Garten. Als wir im Frühling begannen, konnten wir nicht ahnen, wie viele Gemüse, Blumen und Kräuter die Erde uns schenken würde. Wir waren überwältigt von unseren üppigen Ernten. Für uns Städter war es ein Wunder, eine besondereLektion zum zweiten Paragraphen des Schema. Wenn wir unserer Erde das geben, was sie braucht, gibt sie uns ein Vielfältiges davon zurück. Wir Menschen sind Partner der Natur, nicht ihre “Herrscher”. Und nun im Herbst wollten wir dieser fruchtbaren Erde etwas zurückgeben: 18 Obstbäume. Als wir zu graben begannen und einander dabei halfen, merkten wir, dass die ersten Schaufeln voll die schwierigsten waren: man muss sich durch die feste oberflächliche Grasschicht durchgraben. Wenn man erst einmal versteht/lernt wie das geht, kann man tiefer graben und nicht nur Pschat lernen sondern zu tieferen Schichten vorstossen. Als die Erdlöcher tief und gross genug waren, um die Wurzeln der Bäumchen einzusetzen, wurde Wasser - mayim hayyim - gebraucht, reichlich Wasser. Nachdem die Bäumchen gepflanzt waren, gab jeder von uns ihrem oder seinem Bäumchen den Segen, einen ganz persönlichen Segen voller Dankbarkeit dafür, dass wir einen so glücklichen Augenblick erleben durften. Wir segneten diesen Moment mit einem shehechejanu. Nach etwa 2 Stunden Arbeit betrachteten wir unsere neue Obstbaum-Allee. Mögen die Bäumchen wachsen und unsere Leben sowie die Leben derjenigen, die die Früchte ernten werden, reicher sein. ![]() Einige von uns haben sich gleich entschlossen, nächstes Jahr weitere Bäume zu pflanzen. Als die Sonne untergegangen war, trafen wir uns in der Remise des Gutshofes Gatow, zu dem das Feld mit seiner neuen Obstbaum-Allee gehört. Wir assen, tranken heissen Tee und besprachen, was dieser Tag für uns bedeutet: Ol malchut schamajim heisst Verbindung zwischen Himmel und Erde, wie bei einem Baum. Wenn die Wurzeln kräftig genug sind, kann der Baum blühen und dem Wind, Frost und anderen Schwierigkeiten seines Lebens widerstehen. Unsere ersten Früchte werden wir erst nach 5 Jahren ernten, denn die Tora lehrt uns, die Früchte der ersten vier Jahre nicht anzutasten und die Ernte des fünften Jahres als korban darzubringen. Die Bäume stellen die Verbindung zwischen den Generationen vor uns und nach uns her. Sie sind Teil der goldenen Kette unserer Tradition. Sie sind ein Symbol für unseren Lebensbaum. Und wir alle haben gelernt, dass auch das Torastudium eine tiefere Bedeutung erhält, wenn man die Erde urbar macht und sich durch die oberste Grasschicht in die tieferen Schichten des Lebens durchgräbt. Mit einer köstlichen Suppe aus Kürbissen von unserem Feld, Gesang und Geschichten erzählen, ließen wir den Tag ausklingen. Ein besonders klarer Mond am Abend des 17. Cheschwan erleuchtete uns den Weg nach Hause. Text: Kantorin Jalda Rebling Photos: Anna Adam Sukkot 2011 Es ist ein lieb gewonnener Brauch geworden, dass Ohel Hachidusch Sukkot in unterschiedlichen Laubhütten begeht: Am 12. und 14. Oktober 2011, dem Erew Sukkot und dem Erew Schabbat Chol haMoed Sukkot 5772 waren wir Gäste von Chajim und dem Kulturverein Prenzlauer Berg (www.kvpb.de). Zum Glück hatte Chajim seine Sukkah wind- und wettergeschützt vor seiner Keramikwerkstatt aufgebaut, denn die Abende waren empfindlich kalt. Am ersten Abend kamen Jalda und Anna nur wenige Stunden vorher aus Detroit/USA zurück. Kantorin Jalda hatte dort wie schon die Jahre vorher bei unserer Schwestergemeinde Shir Tikvah während der Jamim Noraim amtiert. Jetlag und Schlafmangel waren chancenlos. Die beiden waren noch ganz erfüllt von all dem Neuen, dass sie erlebt hatten und konnten viel erzählen. Jalda führte uns durch die Gebete und wir waren froh, sie und Anna wieder bei uns zu haben. Foto: Batya Goetz Am Erew Schabbat Chol haMoed gab es 2 schöne Überraschungen: Iris Weiss liess uns einen Blick in ihre Bibliolog-Werkstatt werfen: hier werden biblische Geschichten aus der Perspektive anderer “Augenzeugen” oder durch einem Zeitsprung phantasievoll weiter gesponnen, transzendiert oder aktualisiert, wo immer Intuition und Unbewusstes landen. An diesem Abend stand Rachels und Jakobs Liebe auf den ersten Blick im Mittelpunkt. Es war faszinierend, eine der schönsten und facettenreichsten Liebesgeschichten der Tora aus anderen Blickwinkeln zu erleben. Danach sang und spielte Olaf Ruhl jiddische Lieder und wir summten leise mit. Zu allem genossen wir leckeres hausgemachtes Essen von Channah und anderen kreativen Hobby-Köchinnen und ließen den Abend heiter-entspannt ausklingen. Herzlichen Dank allen, die zu diesem gelungenen Fest beigetragen haben. Sonntag, den 16. Oktober, den 4. Tag Sukkot , verbrachten wir in unserer eigenen Sukka mitten im Grünen auf dem Gutshof Gatow. Der Tag stand ganz unter dem Zeichen der landwirtschaftlichen Bedeutung des Laubhüttenfestes. Wir hatten einige Gäste, mit denen wir auch unserem Öko-Feld, das uns in unserem ersten Jahr so sehr verwöhnt hat, einen Besuch abstatteten. Mit einem Gebet bedankten wir uns dort für die reiche Ernte. Dann schmückten die Kinder begeistert unsere Hütte, die nur aus natürlichen Materialien bestand, mit Blumen und den Früchten unseres Feldes. Unter Anjas Leitung sprachen wir die Gebete, schüttelten den Lulaw und genossen ein wenig vom ersten Honig der Bienen, deren “Hütte” im Garten der Weltreligionen steht. Der Honig ist äußerst aromatisch und sehr köstlich, was bei der Öko-Blütenpracht des Gartens nicht verwundert. Nach dem Tag im Freien waren alle nun wirklich hungrig. Dank Ritas Grosszügigkeit und Marlis und Jona, unserem Expertenteam im schnellen Broteschmieren, stand bald lauter Sebstgemachtes vom Gutshof Gatow auf dem phantasievoll geschmückten Tisch in der Remise: Selbstgebackenes Brot aus dem Lehmofen, vegetarischer Brotaufstrich mit Kräutern, frisch gelegte Eier der glücklichen Hühner des Hofes, Quark, Honig, frisch gebackener Kuchen. Ein wirklich krönender Abschluss eines Erntefestes. Herzlichen Dank allen Beteiligten. ![]() Fotos: Anna Adam, Ruth Wiesenfeld 24. Tischri 5772 -Schabbat Bereschit-: Unser erster Bar Mizwa Es war ein ganz besonderer Tag für Avery, seine Familie, Kantorin Jalda und uns alle: unser erster Bar Mizwa. Familie, Freunde der Familie, Avery´s Freunde und Lehrer der John F. Kennedy Schule waren gekommen, um im Betsaal des ehemaligen Jüdischen Waisenhauses in Berlin-Pankow Avery´s ersten Aufruf zur Tora zu feiern. Er war der erste Bar Mizwa in diesem Raum seit der Schliesssung des Jüdischen Waisenhauses durch die Nazis und der Deportation der Kinder in die Vernichtungslager 1940. Die Holzdecke des Betraums blieb erhalten und auch die Nische des ursprünglichen Toraschreins ist noch gut zu erkennen.
Welch ein mächtiges Zeichen für die Zukunft. Mazel tow, lieber Avery, wir sind sehr stolz auf Dich. In Deiner grandiosen D´rascha spiegelt sich lebendiges, junges Judentum wider. Dein Bar Mizwa Projekt und die Geschichte Deiner Familie fügen sich nahtlos in die Tradition dieses Hauses ein. Aber lassen wir an diesem Punkt Averys Mutter Donna und Avery selbst mit seinem Bar Mizwa Projekt zu Wort kommen: A
German
American Jewish Celebration
It was a
day of profound peace and joy for me.
As
my son chanted his Torah portion in a clear and resonant Hebrew that
apparently
carried no trace of an American accent, I saw the beauty of a ritual
that ties
all Jews together. Sharing
that ritual
with our mostly non-Jewish friends from Berlin (as well as our family
from
Amsterdam and two dear friends from the U.S.) gave us a sense of
belonging in
our new community so far away from Montana.
We are indeed a “German American Jewish
family” that is comfortable
following our beliefs in both countries that we call home. Photos
courtesy of Bill Slaton. Avery´s Bar Mizwa Projekt: Stolperstein for Meta For my bar mitzvah, I chose a project to make the world a little better place. After a trip to Southern Germany where I learned a lot about my family history, I decided to help my family create a memorial for one of our relatives who was killed in the Holocaust. We chose to have a Stolperstein made for my great great aunt Meta Adler. Stolpersteins are brass stones set in the ground to remember individual Holocaust victims. I´d like to tell you a little bit about Meta. She was born in the small village of Altwiedermus in 1894. She was neither pretty nor very smart, she never married, and she worked as a maid. Because she could not successfully answer questions during her immigration examination, she was denied permission to immigrate to America with the rest of her family. So, in 1938-1939 the Adlers immigrated to America, leaving Meta behind. She then lived in Frankfurt until she was deported in 1942. In her memory, the stone will be laid in her birthplace of Altwiedermus this summer. Text: Avery Swarthout ![]() ![]()
Am Schluss feierten wir Avery mit einem Mazal Tow im Bonbon-Regen. Danach genossen wir Gaby Nonhoffs köstliches Buffet. Alle "Ohelistas" haben an diesem Schabbat Bereschit dankbar an den Erew des 12. Kislew 5770 zurückgedacht. Da fand in genau diesem Betsaal die erste Toralesung seit der Shoa statt: nämlich das Torafest von Ohel Hachidusch. Die Shir Tikvah Gemeinde in Troy/Michigan hat uns ihre Beth Jacob Tora als Schenkung zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedern dieser Gemeinde feierten wir in diesem Betsaal die Rückkehr der wahrscheinlich aus dem heutigen Tschechien stammenden Tora nach Europa. Dies war der Beginn einer neuen Ära für Ohel Hachidusch. Tora - Parascha Bereschit - im Anfang: Unser erster Bar Mitzwa kommt aus den USA wohin sein Großvater 1938 floh. Er las dieselbe Parascha, die sein Großvater Avery z´´l´´ 1942 in New York las. Unsere Tora kam aus den USA und kehrte nach Europa zurück. So wie Avery in Deutschland seine Familientradition wieder aufgriff. All photos except those of Donnas blog courtesy of Barbara Swarthout. Wenn Sie mehr über das Leben unserer amerikanisch-jüdisch-deutschen Familie in Berlin erfahren möchten, können Sie sich in Donnas blog Full Circle einclicken. Ein wahres Sukkot-Märchen von Rita Reinicke: Vom Zitronenbäumchen, das ein Etrogbaum sein wollte In einem wunderschönen Garten, einem besonderen Garten, steht ein kleines Zitronenbäumchen; eigentlich ist es mehr ein kleiner Strauch. vielleicht deshalb oder weil es eigentlich woanders stehen wollte, geschah etwas Merkwürdiges: Nicht die so stark duftenden Blüten, nein, die daraus entstehenden Früchte sollten das Wunder werden. Im Herbst, es war schon Mitte Oktober, entdeckte die Gärtnerin an diesem kleinen Strauch eine grasgrüne Frucht. Fast faustgross, etwas unförmig, einer Zitrone nicht sehr ähnlich, auch die Schale nicht glatt sondern eher gewellt. Dazu kommt eine andere Merkwürdigkeit: eine winzig kleine Ausbuchtung gegenüber des Stielansatzes. Die Gärtnerin hatte nur einen Gedanken: ein Etrog - und das auch noch an Sukkot. Sogar einen winzigen Pitum hat der kleine Zitronenbaum an seinen Etrog gezaubert. Es wird wohl mit seiner letzten Kraft gewesen sein, doch wer ihn sehen WILL, sieht ihn. Endlich hatte die Gärtnerin verstanden. Natürlich steht er nächstes Jahr ( nach seiner Winterruhe im frostfreien Keller) da, wo er hinwollte: im jüdischen Teil des Gartens der Weltreligionen. Pflanzenfreundschaften Der Tu Bischwat-Kürbis und das Bitterkraut: Ein wahres Märchen von Rita Reinicke Es war noch tiefster Winter, Anfang Februar als unsere Kinder 4 Kürbissamen zu Tu Bischwat in einen Topf pflanzten. Die Samen reiften, 4 junge Pflanzen strebten zum Licht, wollten endlich in die Erde, raus in die Natur. Doch der Frost wütete stark dieses Frühjahr. So wurde es April, es blieb zu kalt. Anfang Mai sollte der grosse Tag sein. Von den 4 Jungpflanzen war nur noch eine einzige übrig geblieben, die anderen hatten die lange Zeit hinter dem Fensterglas nicht überstanden. So wurde der junge Kürbis an einem sonnigen Frühlingsmorgen in die Erde gesetzt. Doch schon in derselbn Nacht kam der Winter zurück. Es drohte der Frost, der Kürbis fror sehr, seine Angst war gross. So rief er die Mächte der Mutter Erde zu Hilfe. Der Morgen graute und der junge Kürbis lebte, nur 2 Blätter hatte er dem Frost geopfert. Schon am nächsten Tag wuchs direkt neben dem glücklichen Kürbis ein Kraut heran. Es trägt den Namen MUTTER ALLER PFLANZEN. Die Artemisia nimmt Schmerzen und Angst, stärkt die Fruchtbarkeit und wärmt. Ihr alter Name Machtwurz bringt einen Hinweis auf ihre Stärke, denn sie ist eine sehr alte Zauberpflanze. Dieses Kraut, welches so unscheinbar an vielen Wegen steht, schmeckt äusserst bitter, doch für Magen und Darm ist es eine Wohltat. Sein Name Beifuss zeigt uns wie hilfreich es für müde Wanderer ist. Die wärmende Kraft des mächtigen Beifuss war es, die den jungen Kürbis rettete. Zum Dank dafür schmiegte sich der grösser werdende Kürbis an die Beifusspflanze und schenkte ihr seine wunderschönen sonnengelben Blüten. Aus einer besonders schönen Blüte reifte ein orangegelber Kürbis heran, der nun inmitten der stattlichen Beifusspflanze thronte. Zu Sukkot wurde er von Ben geerntet und leuchtete golden in unserer Sukkah. Text: Rita Reinicke Fotos: Anna Adam, Ruth Wiesenfeld Schabbes Mincha Lernen mit Rabbi Dr. Goldie Milgram Am Samstag, den 27. August 2011 fand bei Ohel Hachidusch wieder ein ganz besonderes Highlight statt: wir konnten Rabbi Dr. Goldie Milgram aus den USA und ihren Mann Dr. Barry Bub als Gäste zu unserem SCHABBES MINCHA LERNEN begrüssen. Rabbi Milgram wurde vom Reconstructionist Rabbinical College ordiniert, erhielt eine Smicha von Rabbi Zalman Schachter-Shalomi, dem Gründer von Jewish Renewal und promovierte am New York Theological Seminary. Sie gründete und leitet Reclaiming Judaism Press und www.ReclaimingJudaism.org , eine Organisation, die u.a. neue Strategien entwickelt, um jüdische Rituale und Mitzwot lebendig zu halten. Rabbi Milgram schrieb mehrere Bücher zu diesem Thema. Es wurde ein spannendes und intensives Lernen für uns. Jonas begeisterter Bericht zeigt es: Von seelischer und leiblicher Nahrung auf dem Gutshof. Rabbinerin Goldie Milgram zu Gast bei Ohel ha-Chiddusch Gatow bei Berlin im Elul 5771 (2011). Ein metallisch grauer Himmel lastet schwer über dem Ort, den Feldern, dem Gut. Der Wind treibt schwere Regentropfen gegen die kleinen Fensterscheiben der Remise. Das Wetter weckt den Wunsch, im Haus zu bleiben – eine gute Zeit, sich zurückzuziehen und auf das Innere zu konzentrieren. Das haben wir gern getan, dank der Gastfreundschaft von Rita und Ulrich Reinicke, die den Gutshof an der Mühle in Gatow betreiben, und angeleitet von Rabbinerin Goldie Milgram, die mit ihrem Mann, Dr. Barry Bub, auf Einladung von Ohel ha-Chiddusch nach Berlin gekommen war. R. Goldie Milgram ist bekannt dafür, durch die Welt zu reisen mit der Botschaft im Gepäck, daß die jüdische Tradition nicht nur eine riesige Bibliothek ist, die zur intellektuellen Auseinandersetzung einlädt. Sie hält vor allem ein wohl durchdachtes Set an Übungen und Handlungsanleitungen für eine praktische Spiritualität und ein zwischen Leib, Seele und Geist ausbalanciertes Leben bereit. Dr. Barry Bub ist Gestalttherapeut und gibt Workshops und Seminare darüber, wie man traumatisierten Menschen ganzheitlich helfen kann. Ganzheitlich bedeutet hier, daß eine solide therapeutische Arbeit der Ergänzung durch eine lebendige, traditionell fundierte Spiritualität bedarf und daß umgekehrt spirituelle Übungen allein nicht ausreichen würden, sondern professionell therapeutisch angeleitet werden sollten. Beides muß zusammenkommen, um nachhaltige Heilung zu ermöglichen. Um Heilung geht es insbesondere auch in der Zeit der Umkehr zwischen Rosch ha-Schanah und Yom Kippur wie auch im Elul, dem Monat vor dem Neujahr, in dem wir uns traditionell bereits auf diese Zeit vorbereiten. Die Tradition hilft uns, zunächst auszuloten, wo wir verletzt wurden und wo wir selbst zur Ursache belastender Erfahrung für andere geworden sind. In diesem Spannungsfeld zwischen Vergebung suchen und Vergebung zulassen eröffnet sich der Raum für einen Neuanfang. Das kostet einerseits unsere Überwindung, auf den anderen zuzugehen, wenn wir uns selbst als Quelle der Verletzung erkannt haben. Andererseits braucht es Offenheit, das Angebot eines Gegenübers anzunehmen, Streit beilzulegen und die eigene Verletztheit hinter sich zu lassen. Wie in anderen Lebenssituationen auch kann hier Gott selbst als Vorbild genommen werden; er hat es vorgemacht, so steht es schon in der Bibel. Ein beeindruckendes Beispiel ist sein Sinneswandel nach der großen Flut. Er übt Teschuwah, das heißt Umkehr auch im Sinne, eine neue Perspektive bzw. Haltung zu entwickeln; in dem Fall, nie wieder eine solche Welle der Zerstörung über die Erde kommen zu lassen (Genesis 8:21.22;9:12-16). Auch läßt er sich später nach dem Ausrutscher mit dem Goldenen Kalb von Moses dazu überreden, nicht das Volk preiszugeben, um sich aus den Nachkommen von Moses selbst ein neues zu schaffen. Er versucht es weiter mit demselben Israel (Exodus 32:7-14). So ist auch in bezug auf die Vergebung, der eine Umkehr vorausgehen muß, die Vorstellung der imitatio dei, der Nachahmung Gottes anwendbar, weil wir im Judentum – anders als in den beiden anderen monotheistischen Schwesterreligionen – die Freiheit haben, Gott als ein Wesen zu denken, das sich selbst entwickelt und verändert. Allerdings erweisen sich die Lehrer der jüdischen Tradition auch als tiefsinnige Psychologen, so sie sich sehr wohl bewußt sind, daß Versöhnungsbereitschaft und Offenheit auch ihre Grenzen haben – und zwar an der Gesundheit der eigenen Person. Sich vor notorisch fortgesetzter Verletzung durch einen anderen zu schützen, ist erlaubt, ja sogar geboten. Da ist die jüdische Tradition und Spiritualität ganz realistisch und gibt eher Anleitung, wie dieser Abstand gestaltet werden kann: für die Unversehrtheit des Betroffenen ist dann besonders wichtig, nicht selber in Gefühle von Abneigung oder gar Haß zu versinken und die Situation bewußt in die Hände des einen Gottes zu legen, der das Prinzip der Begegnung und Zuwendung überhaupt ist. Diesen thematischen Spannungsbogen eröffnete R. Goldie Milgram vor uns im rustikal gemütlichen Raum der Remise nicht in einem Vortrag, in dem sie uns ins Gespräch mit prominenten Stimmen aus der Tradition brachte – vom Talmud bis zum großen Rabbi Moses ben Maimon und zeitgenössischen Vertretern. In Übungen und Partnerarbeit regte sie uns auch dazu an, uns hineinzufühlen in die Situation, jemandem gegenüberzutreten und Teschuwah, die Umkehr und Hinwendung, den Perspektivenwechsel zu praktizieren. So erschloß sie uns die Tage der Umkehr, deren Bezeichnung als „ehrfurchtgebietende Tage“ allzu einseitig ist, als eine Quelle der Heilung von Verletzungen – ganz im Sinne von Jewish Renewal, der Bewegung zur jüdischen Erneuerung. Da die meisten Verletzungen in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen, sind auch diese Beziehungen der Ort, an dem sich Dissonanzen und Verknotungen wieder lösen müssen. Ein Stoßgebet zu Gott in der Synagoge reicht da nicht aus. Die Bitte um Vergebung vor Gott entfaltet ihre Wirkung am direktesten in der Begegnung mit dem menschlichen Gegenüber. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, heißt es in der Bibel (Deuteron. 8:3), aber eben auch. Und da Ganzheitlichkeit Geist, Seele und Körper einschließt, saßen wir schließlich auch in der warm beleuchteten Bauernstube beieinander und genossen das Brot, den Wein und all die Leckereien, die viele von uns zusammengetragen hatten. Am reich gedeckten Tisch setzten wir unseren Erfahrungsaustausch fort, bis es Zeit war, sich wieder in den Regen hinauszuwagen und gestärkt in den Lebensalltag mit seinen Herausforderungen zurückzukehren. Jona Kirchner Photos courtesy of Dr. Barry Bub Öko-Kaschrut II: Unser Bio-Feld im Sommer 2011 Kaum zu glauben, was aus unseren Saatkörnern und Setzlingen vom Frühjahr geworden ist:
Lag baOmer am 22.05.2011 und Öko-Kaschrut Lag baOmer genossen wir wieder die Gastfreundschaft von Rita und Ulli Reinicke, den Gründern des Gatow Botanicums mit dem Garten der Weltreligionen. Und an diesem sonnigen Frühlingstag stimmte wieder alles: wir staunten über die Fülle der biblischen Pflanzen, die in wenigen Monaten gewachsen waren und entzündeten ein Feuer zu Ehren von Rabbi Schimon bar Yochai. Für unsere Kinder war das Holzfeuerchen natürlich ein Höhepunkt des Festes, besonders als wir Vollkornbrot am Spiess darin buken. Das Brot schmeckte allen natürlich köstlich. Abends beim Omerzählen wurde uns noch einmal so richtig die Vielfalt der Natur bewusst (Hod she b´Hod).
Aber das war noch nicht alles. Ohel Hachidusch konnte sich an diesem Tag einen Traum erfüllen: unter Ritas Anleitung dürfen wir ein Bio-Feld nach Öko-Kaschrut Richtlinien bepflanzen. Wir begannen mit Salat, Kartoffeln, Zucchini und Mangold. Unsere Kinder haben ihr eigenes Beet, um erste Erfahrungen im Pflanzen, Pflegen und Ernten zu sammeln. Ohel Hachidusch hat schon immer Wert darauf gelegt, zum Kiddusch vegetarische Vollwertkost anzubieten. Nun kümmern wir uns aber auch um unser Gemüse vom Pflanzen bis zum Verzehr selbst. Keine Chemikalien, keine Pestizide, keine gen-modifizierten Pflanzen. Rita erzählte uns, dass es äusserst schwierig war, einige Körner einer genetisch unveränderten Maissorte aufzutreiben. Wir sind optimistisch, dass wir genügend Gemüse für unsere Kidduschim und auch den privaten Gebrauch unserer Mitglieder ernten können. So kultivieren wir nicht nur Pflanzen sondern auch Respekt vor der Natur und unseren Nahrungsmitteln. Es ist eine Möglichkeit in unserer unmittelbaren Umgebung einen sinnvollen Beitrag zu Tikkun Olam zu leisten. Wahrscheinlich ist das ein Teil der spirituellen Ökologie, die Rabbi Zalman Schachter-Schalomi meinte als er den Begriff "eco-kosher" schuf. Fotos: Anna Adam und Rita Reinicke 2. Sederabend 2011/ Erew 16. Nissan 5771 Am 2. Sederabend 2011 hat sich Ohel Hachidusch selbst übertroffen: 40 Gäste waren eigentlich unser Limit, es wurden durch kurzfristig angekündigte Gäste von ausserhalb fast 70, darunter über 20 Kinder. Daher ein ganz grosses Danke-schön an alle Mitglieder unseres bewährten Organisations-Einkauf-Koch-Deko-Teams unter der erfahrenen Leitung von Anna Adam und Gaby Nonhoff. Es war ein berührendes Fest ohne Hektik. Kantorin Jalda Rebling führte uns sicher durch die Haggada, es wurde viel gesungen, gelernt und gut gegessen. Und jeder hatte genügend Musse über seine persönlichen Engen und Wege in die Freiheit nachzudenken. Unsere cleveren Kinder fanden den Afikomen schnell, so dass wir den Abend zügig abschliessen konnten. Die Fotos spiegeln die familiär-festliche Atmosphäre und die positive Energie im Raum. Wer sich auf Pessach einlassen wollte, konnte die Schönheit und Bedeutung des Festes an diesem Sederabend fühlen und "schmecken". ![]() Wir danken allen Gästen, die hierfür offen waren und den vielen, die so engagiert bei der Gestaltung des Seders und auch beim Aufräumen geholfen haben. Fotos: Anna Adam, Brian Swarthout Lernfest für Lilith 2011 und eine ganz besondere Menora: Am 5. Februar 2011/ Rosch Chodesch Adar 5771 gestalteten wir ein Lernfest für Lilith, die uns allen so sehr fehlt. Da Lilith feierliche Reden nicht mochte, tauschten wir Erinnerungen an sie aus, sangen ihre Lieblings- Chants und erlebten sie auf Fotos und in den dazu gehörenden Geschichten. Zu allem genossen wir einen Wiener - Spezialitäten - Kiddusch, zu dem Liliths Cousine köstliche Wiener Patisserie und auch sonst viel wienerisches beitrug.
Lilith hatte eine tiefe emotionale Beziehung zu liturgischer Musik, in der ihr Lebensgefühl, ihre unbändige Lebenskraft aber auch ihre Trauer Ausdruck fand .Sie war ausserordentlich offen für andere Weltanschauungen und deren Werte. Daher sind wir sehr dankbar, dass enge Freundinnen Liliths aus dem Mantrachor ihre Lieder, Fotos Erlebnisse mit uns teilten. Alle Erinnerungen zeigten Liliths Offenheit, Lebensfreude, Toleranz, Humor, Kraft, charmantes Durchsetzungsvermögen und vor allem ihr grosses Herz, -eben Lillith. So bleibt sie bei Ohel Hachidusch präsent. ![]() Was Lillith besonders gefallen würde: an diesem Abend wurde eine schöne, alte Menora aus Österreich -Ungarn in unsere Hände gegeben. Sie wurde uns von Frau Monika Wissel, die auch Lilith kannte, überreicht. Hier erzählt sie uns ihre Geschichte: Die Geschichte der Menora Die Menora gehörte Ingrid Ehlert geb. Fenichel (Jg 1926), ihr Vater hatte sie aus Ungarn mitgebracht. Ingrid Ehlerts Eltern hatten in Neukölln ein Geschäft für Theaterkostüme und Asseccoires. Weil ihr Vater Jude war, musste die Mutter das Geschäft allein weiterführen. Der Vater wurde bei der Post dienstverpflichtet. Obwohl Ingrid Ehlert christlich getauft war, musste sie das Gymnasium verlassen und in einer Gasanstalt Kohlen schippen. Aus den wenigen Erzählungen von ihr über die Zeit seit 1933 ist bekannt, dass Teile ihrer Familie und Nachbarn deportiert wurden z.B. nach Riga. Einigen Familienmitgliedern gelang es, in die USA zu emigrieren. Ihre 4 Jahre jüngere Schwester heiratete einen Juden, wanderte 1954 in die USA aus und lebt in einem jüdischen Umfeld, jetzt in San Francisco. Ingrid hat 1949 Günter Ehlert standesamtlich geheiratet. Das Ehepaar lebte bis zum September 2008 in ihrem Haus in Tempelhof und ist dann in die Seniorenwohnanlage Rosenhof in Mariendorf umgezogen. Ingrid Ehlert ist dort zwei Monate später verstorben. Günter Ehlert, inzwischen 93 Jahre alt, hat im Sinne seiner Frau die Menora an eine aktive jüdische Gemeinde übergeben lassen. Vielen Dank, lieber Herr Ehlert und liebe Frau Wissel, die Menora leuchtet nun auf all unseren Festen. ![]() Tu biSchwat 2011/ 5771 Am 20. Januar 2011, dem 15. Schwat, feierten wir Tu biSchwat, das Neujahrsfest der Bäume. Wir waren zu Gast in der Remise des Botanicums Gatow mit seinem Garten der Weltreligionen. Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft, liebe Rita und lieber Ulrich! Unsere Kinder säten Kürbiskerne, pflanzten Märzenbecher und bentschten die Pflanzen unter Jaldas Leitung. Wir alle hoffen, dass die Märzenbecher bald auch hier den Frühling einläuten werden und der Kürbis vielleicht schon zu Schawuot in prächtigem Orange unsere Kiddusch-Tafel schmückt. Danach genossen wir einen Seder mit zahlreichen (biblischen) Früchten und leckeren vegetarischen Gerichten. Allen, die dazu beigetragen haben, danken wir herzlich. Wie immer haben wir viel gesungen, Geschichten passend zu Tu biSchwat erzählt und vorgelesen. Jalda war erst am Morgen aus den USA zurückgekommen und bestellte viele liebe Grüsse aus unserer Partnergemeinde Shir Tikvah in Troy, Michigan und berichtete von der Ohalah Rabbiner- und Kantorenkonferenz in Boulder, Colorado. Von Jetlag war nichts zu spüren, stattdessen Begeisterung über die neuen Eindrücke und Freude über unser Fest. Alles wurde abgerundet mit Chajims gehaltvoller Feuerzangenbowle, die auf dem skandinavischen Holzofen der Remise der richtigen Reife entgegenbruzzelte und mit einem leckeren Kinderpunsch aus Biosäften. Gegen Ende des Festes führte Rita dann noch die Kinder und einige von uns durch die Dunkelheit zu einer Birke, “um zu hören wie der Baum wächst.” Es war wieder ein besonderes Fest, in Augenhöhe mit und Respekt vor der Natur. Lernfest für Rabbiner Leo Trepp sel.A. Am Sonntag, den 5. Dezember 2010, dem 4. Tag Chanukkah nahmen wir Abschied von Rabbiner Leo Trepp sel. A. Er war und bleibt für viele von uns ein einfühlsamer und bedeutender Lehrer. Mit ein paar prägnanten Worten, einem Blick oder einer Geste brachte er ein Thema genau auf den Punkt. Jalda, Anna, Channah, Chajim und viele andere teilten ihre Erinnerungen an den grossen Rabbiner mit uns. Ihre Erzählungen wurden von zustimmendem Kopfnicken und Lächeln begleitet, denn viele kannten ähnliche Situationen, in denen Rabbi Leo Trepp seine Botschaft mit Humor, Herzenswärme, Einfühlungsvermögen oder gerechter Empörung rübergebracht hatte. ______________________________________________________________________________ Channah fasst ihre Begegnungen so zusammen: Wer war Leo? Wie schreibt man etwas zu einem Menschen, über den schon so viel geschrieben und gesagt wurde, der Ehrentitel sammelte, viel Reden und Schriften ihm zur Ehre und seinem Wirken schon zu Lebzeiten entgegennahm? Mein Versuch einer Erinnerung an Leo Trepp kann nur sehr persönlich ausfallen, weil ich das große Glück hatte, ihn privat kennenlernen zu dürfen. Seine Freundschaft gewann ich über mein Auto, das eine Sitzheizung hatte. Statt schnurstracks zur Synagoge zu fahren, bat er mich Unter den Linden lang zu fahren, was er sichtlich genoß- und wir erhielten eine Unterrichtstunde in jüdischer Geschichte. In der Synagoge angekommen, verwandelte er in Sekunden Gottesdienstbesucher zu einer konzentriert zuhörenden Betergemeinschaft. Jeder wird seine gewaltige, tiefe ruhige Stimme erinnern. Seine Drashot sind noch in uns lebendig. Unvergessen und längst in den Ritus und das Verständnis eingegangen seine wunderbar klaren Belehrungen, Erklärungen. Leo Trepp war eine sehr starke Persönlichkeit, dessen Worte und Gedanken, Anstöße und Korrekturen bis ins Hier und Jetzt wirken. Leo war ein Lehreraus Berufung und von Beruf. Sein klischeeloses, modernes Denken hat viele Menschen nicht nur begeistert, sondern war Impuls zum Umdenken und Hilfe und Anstoß neue Wege zu gehen. Seine Offenheit und seine Freundlichkeit sollten uns Vorbild bleiben. Er hat uns immer wieder demonstriert wie man zwischen unterschiedlichen Meinungen, Praktiken und Schulen Brücken schlagen kann.Und trotz allem Vergnügen an der Offenheit, blieb Leo Trepp seinen Grundsätzen immer treu. Leo Trepp war so vielen Menschen Orientierungshilfe und konnte jedem, buchstäblich jedem ein tröstendes, hoffnungsvolles in erster Linie respektvolles Wort schenken.Leo Trepp erkannte die Fähigkeiten eines jeden und ermutigte jeden von uns unbeirrt seinen Weg zu gehen. Zu seinen Gaben gehörte sein wunderbar leiser Humor. Ich habe niemals einen Witz auf Kosten anderer von ihm gehört. So erklärt diese kleine Begegnung mit ihm mehr wer Leo Trepp war und wie er wirkt als alle Worte: Bei einem der letzten Begegnungen mit Leo Trepp saßen wir in einem Garten und ich sagte: „Leo, erinnerst Du Dich: als ich Euch mal zum Flughafen fuhr, hast Du uns mitten in dem Gedränge und Getöse des Check-ins gesegnet.“ „ Und hat es was genützt?“ Channah Arendt ____________________________________________________________________________ Marlis und Claudia hatten sich in das Buch "Dein Gott ist mein Gott" von L. Trepp und G. Wöbken-Ekert eingelesen und referierten über die Geschichte der Übertritte ins Judentum. Marlis hat die wichtigsten Punkte zu diesem Thema für uns zusammengefasst: Der erste Teil des Buches gibt uns einen Einblick in unsere Geschichte. Wir erfahren vom Weg unseres Vaters Abraham zum Ewigen und wie seine Persönlichkeit die Ethik des Judentums prägte. Abraham war Jude freier Wahl. Wir hören vom Wachstum des Volkes und der Missionstätigkeit in der Zeit der nachbiblischen Antike. Wir lernen, daß in der Zeit des Überganges von der Antike zum Mittelalter es zu einem großen Umbruch im Verhalten der Menschen zum Judentum kam. Durch die Christianisierung kam es zu Erniedrigung, Verleumdung und brutaler Verfolgung des jüdischen Volkes. Trotz allem gab es auch zu dieser Zeit Übertritte. Im Mittelalter beendeten die jüdischen Gemeinden auf Grund dieser Ereignisse ihre Missionstätigkeit. Leo Trepp lehrt, daß die Haltung der mittelalterlichen jüdischen Gemeinden gegenüber den neuen Juden von Bedeutung ist, da sie weiterhin nachwirkt und heute noch das Judentum beeinflusst. Wir hören von der Zeit der Aufklärung bis hin zur dunkelsten Zeit unserer Geschichte. Das Leben in dieser Zeit war sehr unsicher und gefährlich geworden und gipfelte in der Shoa. Auch in dieser Epoche gab es immer wieder Übertritte. Wir lernen an Hand unserer Geschichte, das niemals seitens der Juden den anderen Religionen und deren Rechtsmäßigkeit vor Gott aberkannt wurde. Unsere Geschichte zeigt uns, dass sich in allen Epochen Nichtjuden aus eigenem freien Willen den Juden und ihrem Glauben trotz Erniedrigung und Lebensgefahr angeschlossen haben. Der 2.Teil des Buches beschäftigt sich mit den Übertrittsmöglichkeiten zum Judentum in der Gegenwart. Wir erfahren von den unterschiedlichen Haltungen gegenüber den Proselyten in den verschiedenen Strömungen des Judentums. Wir hören, dass Übertritte in Amerika viel einfacher sind als in Deutschland. Diese Schilderungen erfolgen alle völlig wertneutral. Leo Trepp gibt aus rabbinischer Sicht den zukünftigen Juden freier Wahl, viele wichtige Hinweise für die Zeit der Vorbereitung und des Übertritts. Im 3.Teil geben Juden aus freier Wahl im Interview einen Einblick über ihren Weg zum Judentum in Deutschland und den USA. Leo Trepp lehrt uns, jedem Juden freier Wahl und dem Ger Toschaw völlige Liebe und Hochachtung entgegen zu bringen. Denn wie Abraham Ur seiner Sinnsuche wegen verlassen hat, verlassen diese Menschen auch ihre innere angeborene Heimat und kommen nach langer Zeit des Suchens zum Bund des Ewigen. Sie haben keinerlei Privilegien, nur das Privileg der Verantwortung. Marlis Ventur _____________________________________________________________________________ Danach sprach Kantorin Jalda zu Konversionen in der heutigen Zeit und es entstanden lebhafte Diskussionen. Gegen 18 h folgte dann ein Maariwgebet und anschliessend entzündeten wir mit den Kindern das 5. Chanukkah-Licht. Zu allem gehörte natürlich gutes Essen. Dieses Lernfest hätte Rabbiner Trepp bestimmt gefallen. Sukkot 2010/ 5771 Ohel Hachidusch baute dieses Jahr gleich 2 Laubhütten; eine schöner als die andere und beide in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. So kamen neben Gesprächen und Gedankenaustausch auch Pläne für längerfristige Zusammenarbeit zustande. Am 22. September/ 14. Tischri feierten wir Erew Sukkot in unserer Sukkah im Interkulturellen Haus Pankow. Dort hatten wir mit unseren Kindern im ehemaligen Schulhof des Gebäudekomplexes unter der Anleitung von Chajim unsere Sukkah ausgeschmückt, -alles Natur und zusammen mit Claudia von den Kindern Selbstgebasteltes. Einige Kinder hängten auch ein geliebtes Spielzeug in der Hütte auf. ![]() Es herrschte eine wunderbare Atmosphäre: Der Himmel war klar und wir konnten Mond und Sterne durch das schüttere Laubdach sehen. Kantorin Jalda führte uns durch die Liturgie und wir versuchten, bei zunehmender Abendkälte einen Hauch Wüste zu spüren. Dankbar genossen wir dann beim Kiddusch die mitgebrachten kulinarischen Köstlichkeiten. Die Hütte wurde auch an den anderen Festtagen zum Beten und Lernen genutzt: Wir feierten Kabbalat Schabbat, Mitarbeiter der Freien Schule Pfefferberg lasen nachmittags (täglich ausser Wochende) jüdische Märchen vor, Chajim hielt einen Vortrag (" 300 Jahre Meissner Manufaktur: Gibt es jüdisches Porzellan?" ), Jona las aus ihrem neuen Buch ("Die Summe der Eins ist Dreizehn. Eine Einführung in die Symbolik der hebräischen Bibel.") und Karsten Troyke gab in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Prenzlauer Berg ein Konzert mit jiddischen Liedern. Wir danken allen Helfern und Gruppen, die zum Gelingen dieser Festtage beitrugen. Ein ganz besonderes Danke-schön geht an Chajim, den Initiator dieses gemeinsamen Projekts. Am 26. September/18.Tischri feierte Ohel Hachidusch das Laubhüttenfest im Garten der Weltreligionen im neu eröffneten Gatower Botanicum. Unter Annas Anleitung bauten Kinder aus der Nachbarschaft eine Laubhütte, die den Namen wirklich verdiente und von der Jüdischen Allgemeinen Zeitung als "Super-Sukkah Deutschlands" den 1. Preis gewann. Herzlichen Glückwunsch an Anna und ihre begeisterten, talentierten kleinen Baumeister. Bevor der Regen wie aus Eimern schüttete, nutzten wir die Zeit für einen Kiddusch mit allen Sukkah-Erbauern. Foto: R. ReinickeDas weitere Fest genossen wir nun in der liebevoll renovierten Remise des Gutshofes Gatow bei wärmendem Holzofenfeuer. Kantorin Jalda sang jiddische Lieder und wurde dabei einfühlsam von Franka Lampe am Akkordeon begleitet . Wer Jalda als Kantorin oder auf einem ihrer Konzerte erlebt hat, weiss, dass sie durch ihre Musik Herzen öffnet. Alle waren persönlich berührt, viele summten mit und auch Gäste, die ihr erstes Laubhüttenfest erlebten, fühlten sich einbezogen.
Foto: R.Reinicke Und Gaby Nonhoff hatte mal wieder eins ihrer leckeren Buffets mit koscheren Speisen aufgebaut und gerne das eine oder andere Geheimnis ihrer Rezepte verraten. Wir wünschen dem Botanicum Gatow und seinen Gärten der Weltreligionen Regen, Tau, Sonne und viele Besucher, die ein wenig innehalten und Kraft schöpfen wollen. Liebe Rita und lieber Ulrich, es war ein besonderes Erlebnis, mit Euch die Gärten einzuweihen und in diesen gemeinsam Sukkot zu feiern. Ohel Hachidusch hat ein neues Zuhause Seit Juni 2010 beten wir, lernen Tora und feiern in unserem grossen neuen Raum im Gemeindehaus der Vater Unser Gemeinde. Wir haben unser Zelt, unser Ohel Hachidusch aufgeschlagen und nun auch unsere Mesusoth an den Türpfosten angeschlagen. Pfarrerin Annemarie Werner und ihrem Gemeindevorstand danken wir für ihre Gastfreundschaft. Jona Kirchner hat in folgendem Artikel im Vater Unser Gemeindebrief 7/8 aus 2010 schon ein wenig über uns berichtet: Ohel Hachidusch stellt sich vor Renewal ist ein wenig vergleichbar mit der Bewegung von Taizé, die einst begründet wurde, um vor allen junge Christen in ihrem Willen zu stärken, ihren Kirchen zu neuer Lebendigkeit und Anziehungskraft zu verhelfen; ihre Gemeinden also nicht zu verlassen, sondern von neuen spirituellen Ausdrucksformen getragen und mit einem sensibilisierten sozialen Bewusstsein dorthin zurückzukehren. Ähnliches will die Bewegung von Renewal im jüdischen Bereich erreichen. Und wie die Idee von Taizé von Burgund (Frankreich) aus heute in alle Erdteile ausstrahlt, ist Renewal inzwischen dabei, sich auf mehreren Kontinenten auch international zu engagieren. Das Judentum hat sich im Laufe seiner Geschichte immer weiter verändert, und viele geistige Strömungen hervorgebracht. Einige Bewegungen, die im 19. Jh. entstanden und das Profil jüdischer Denominationen bis heute prägen - wie die des Konservativen Judentums (Begründer Zacharias Frankl, Breslau) oder das Reformjudentum (Mitbegründer Abraham Geiger, Berlin) nahmen ihren Ausgang im deutschen Raum. Auch das moderne orthodoxe Judentum (Vorreiter Samson R. Hirsch, Oldenburg/ Frankfurt/M) wurde hier entwickelt. Mit dem Zerstörungswerk des Nazismus mussten all diese Richtungen samt ihrem geistigen Potential ins Exil gehen. In beiden Teilen Amerikas konnten sie neu Fuss fassen und sich weiter entwickeln und über vier Jahrzehnte später nach und nach auch an ihren Ursprungsort zurückkehren. ______________________________________________________________________________ Am 2. Oktober/ 25. Tischri/ Schabbat Bereschit
feierten wir nun unseren offiziellen Einzug gemeinsam mit Pfarrerin
Werner und Mitgliedern ihrer Gemeinde mit einer Hawdala-Zeremonie, die
von Kantorin Jalda Rebling geleitet wurde.
„Ich habe mich zum Glück nicht verbrannt. Ich finde es schön, dass ich miteingeladen war. Ich habe mich auf das Essen sehr gefreut und mochte es gerne. Wussten eigentlich alle, dass ich schon fünf bin? Ich fand es schön, dass ich die Kerze halten und die Zettel verteilen durfte. Ich habe mich gefreut, dass ich neue Gesichter gesehen habe. Ich fand es schön, dass alle da waren. Es waren schöne Engel. Das Fest und der ganze Raum waren sehr schön und liebevoll. Aber ich hatte Angst, dass das Zimmer abbrennt, als Jalda die Kerze im Wein gelöscht hat. Eigentlich war das Lied, das der Mann gesungen hat, ein trauriges Lied. Ich fand es schön, dass abends die ganze Familie unterwegs war". Danach brachten wir als sichtbares Zeichen unseres Einzugs Mesusoth an den Türpfosten aussen am Gemeindehaus und an unserem Raum an:
Die
Mesusah an unserem Raum (unteres Foto) ist
eine handgefertigte Keramik von Chajim, die Naomi und Ruth
darstellt. Lieber Chajim, wir danken Dir sehr, auch für alle
guten Wünsche, Gedanken und Erinnerungen, die Du in
Dein Werk eingearbeitet hast.
Channah hat ihre Gedanken beim Anbringen der Mesusoth für uns aufgeschrieben: Eine kleine, bunte Gruppe mit Menschen unterschiedlicher Religionen und Herkunft zelebriert einen spirituellen Ort der Begegnung. Die Vaterunser Gemeinde macht Ohel hachidusch nunmehr zum festen Zelt der Erneuerung. Wir sind eingeladen und willkommen und bringen gemeinsam zum Zeichen dieser Verbundenheit Mesusot an. Sichtbar nach außen, der Vorschrift entsprechend, bringen wir unsere erste am Eingang zum Gebäude draußen an. Alle singen Iwru, iwru bashearim panu derech ha am…und mit diesen starken Worten gehen wir durch das geöffnete Tor, die Treppe hinauf, und singend durch die offen stehende Tür in den Gemeindesaal, in dem wir unsere G’ttesdienst halten dürfen. „Dringe nicht in mich dich zu verlassen, mich abzukehren von dir, denn wohin du gehst, gehe ich, und wo du weilst, weile ich; dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott.“ (Ruth 1;16) Wie klug hat Chajim Grosser das Motiv für diese Mesusah gewählt: die alte gebeutelte Naomi, die nach hause kommt und im Originaltext ein Geschrei auslöst durch ihre Rückkehr mit der jungen Frau anderen Glaubens. Und die junge Ruth, die nicht von Naomi’s Seite weicht. In der Vaterunser Gemeinde begegnen sich zwei Religionen - die Alte und die Junge- in Chessed, Agape, und Fürsorge in einem Gottes Haus. Und wie ein Sinnbild dieser Verbindung wendet sich die Jüngere in Fürsorge dem Älteren zu. „Ein Ort ist, mit wem du bist“ (Berlin, 1996) schrieb Rabbiner Levinson. Mehr noch: in unserer bunten Gruppe, von Frau Pastorin Werner ankündigt, singt der gebürtige Inder Dhiraj Roy, einen Lobgesang Gottes, in Sanskrit aus den Upanishaden. Er ist Hindu und singt für uns von unser aller Schöpfer. Wir beten singend. Das kann Mensch erst, wenn er Gott zuerst gehört hat. Unser Vater, Avinu, der Ewige, unser Gott ruft uns an: Schma, höre: „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft…. Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Tore.“ (5. Buch Moses 6; 5+9) Übersetzung aus: Siddur Schma Kolenu, Verlag Morascha Basel,2006, S. 54.
: ![]() ___________________________________________________________________________________________________. Pessach 5770 - 2010 Der Pessachseder, als grosses Familienfest, hat nicht nur die Ohel-Familie zusammengeführt. Viele alte und neue Freunde, die teilweise von weit her extra anreisten, feierten mit uns den 2. Sederabend. Wie auch in den vergangenen Jahren öffnete Anna ihr geräumiges Atelier. Wir haben gemeinsam den Raum aufgeräumt, geputzt und gekaschert, um Platz für unsere grosse Tafel zu schaffen. Es wurde trotzdem erfreulich eng, und wir mussten sogar noch anbauen. ![]() Unsere Kantorin Jalda führte uns wie gewohnt gekonnt und mit viel Herz, Engagement und Liedern durch die Haggadah . Wir spürten die Enge von Mitzrayim und zogen aus in die Freiheit. Hallelujah. Das Festmahl übertraf alle Erwartungen. Anna und ihr Kochteam haben viel Zeit und Liebe in die Vorbereitung des Menüs gesteckt. Anna und Sabrina, die beiden Profis, haben gemeinsam gekocht. Viele Hände packten beim Grossaufräumen mit an. So wie es eben in einer guten Familie zugeht. ![]() Vielen Dank an Jalda, Anna, Sabrina und alle Helfer! Hier sollen noch 2 unserer Gäste aus USA zu Wort kommen: Erst ein Zitat aus Sabrinas Blog: The Seder may have beeen conducted in German and it may not have included any of my relatives, but afer the 5th glass of wine it felt exactly like the Seders of my childhood. Der ganze Blog mit vielen Fotos und Annas leckeren Seder-Rezepten findet sich unter http://www.foodandfootage.com/. Nalini danken wir für die Fotos auf dieser Seite. Sie fasst ihre Eindrücke von unserem Sederabend so zusammen: "Being part of the Pesach celebration at Ohel Hachidusch was a blessed highlight of my year. The kahal is welcoming and warm and Jalda's hosting made for a rich experience opening me to be able to taste a real bit of freedom yet again. The food was exceptional as well.- thank you to Anna and Sabrina. I can't wait to return!" -- Nalini Indorf Kaplan Purimfeier bei Ohel Hachidusch 27.2.2010 (Erew Purim 14. Adar 5770): ![]() Alle Jahre wieder durchlaufen wir in der Choreographie des jüdischen Kalenders bestimmte Feste mit ihren je eigenen Inhalten und Stimmungen. Im Februar war es in unserem Ohel schon wieder soweit, das Purim-Fest zünftig zu begehen. Was ist ein zünftiges Purim-Fest? Eines, bei dem man betet, die Legende von Esther und Mordechai gemeinsam liest, über das Wunder der Rettung der Juden nachsinnt, zusammen feiert und nicht zuletzt… zusammen lecker isst und trinkt. Das haben wir ausgiebig in unserem Zelt getan. Mit Purim bietet das Judentum zwar die ausgelassendsten Bräuche. Zugleich gibt die Geschichte doch auch viel nachzudenken auf. Wenn es ein Reizwort in der jüdischen Überlieferung gibt, dann ist das Amalek. Als die Kanaaniter während der Wüstenwanderung die Israeliten verfolgten, wer tat sich da besonders hervor? Amalek. Wem hatte König Saul das Ende seiner Karriere zu verdanken? Amalek. Und wem begegneten die Israeliten im großen Reich der Perser in der Person eines Hofbeamten wieder? Haman stammte von Amalek. Was die Esther-Geschichte so wohltuend von anderen Kriegen und Siegen unterscheidet, ist, dass es das Agieren einer einzigen, auch als Königin im Grunde rechtlosen Frau war, die das Blatt wendete, auf dem die Vernichtung ihrer Gemeinschaft schon niedergeschrieben war. Am Ende erleidet Haman das Schicksal, dass er der jüdischen Gemeinschaft von Persien zugedacht hatte. Warum es aber seine zehn Söhne mit ihm teilen müssen, bleibt z.B. ein Rätsel. Wenn überhaupt ist das nur symbolisch als der Versuch zu verstehen, nun das Böse endlich ganz auszurotten. Wir haben uns an jenem Abend schliesslich mehr darauf konzentriert, das Fest zu einem Spaß für die ganze Familie werden zu lassen. Das heißt bei uns, dass nicht nur die Kinder phantasievoll verkleidet erscheinen. Und geradezu eine Ehrenpflicht ist, die Lesung aufmerksam zu verfolgen, um auch ja jede Erwähnung von Haman in einem riesigen, tobenden Lärm von Ratschen, Tröten und Rufen versinken zu lassen. Dazu gab es reichlich Gelegenheit: wir haben die Megillat Esther verteilt auf verschiedene Personen gelesen: zum Teil auf Hebräisch und dann eine von Jona abgewandelte Form. Die beginnt so: „Es war einmal in einer Galaxie weit, weit weg und vor langer, langer Zeit. Zwischen zwei Spiralarmen dieser Galaxie auf Position 30°MZPerX12’5 gab es in einem kleinen Gebiet, in dem meist nicht viel los war, ein Sonnensystem mit 8 Planeten. Auf dem 3. Planeten gab es ein Königreich, das herrschte über 127 Länder und Kolonien im ganzen Sonnenystem. Dieses Reich hieß Paras u-Madai, seine Hauptstadt aber war Schuschan. …“ Auf den ersten Blick also nicht wiederzuerkennen, endet die Geschichte aber auch hier mit dem vertrauten Ergebnis, dass die Leute von Jehuda doch noch eine Zukunft hatten und immer wieder haben werden. So haben auch wir einmal mehr fleißig das Gebot der Thora erfüllt, sich ja daran zu erinnern, Amalek zu vergessen. Jona Kirchner
_____________________________________________________________________________ Beth Jacob Thora in Berlin
Im Dezember 2008 übergab die Gemeinde Shir Tikvah aus Troy/Michigan im Rahmen des "Torah Active Kiddushim" Programms Ohel Hachidusch ihre Beth Jacob Thora. Ihre ältesten Teile stammen aus dem 18. Jahrhundert. Die Thora stammt vermutlich aus der Tschechoslowakei. Deshalb war es auch der Wunsch der Shir Tikvah Gemeinde, dass die Thora nach Europa zurückkehrt. Anna hat einen tragbaren Aron HaKodesch gebaut, in dem die Thora sicher wohnt. Wenn sich dieser Typ bewährt, bekommt die Thora einen Schrank aus biblischem Holz: leicht, atmungsaktiv und schön. ___________________________________________________________________________________ ![]() Januar 2010: Wirfreuen uns sehr über die neuesten Fotos aus unserer Partnergemeinde Shir Tikvah in Troy/ Michigan. Sie zeigen, wie gut Chajims Hawdala Keramik und unser Wimpel für die Blumenstein-Family Tora dorthin passen und wieviel Interesse unserer Ohel-Dokumentation entgegengebracht wird. Danke Shir Tikvah! ___________________________________________________________________________________
Wir feierten an einem historischem Ort: im Betsaal des Ehemaligen Jüdischen Waisenhauses in Berlin-Pankow. Das Waisenhaus wurde 1882 gegründet und beherbergte zeitweise bis zu 100 Waisenkinder. Sie wurden 1940 in die Konzentrationslager verschleppt. Jeder von uns spürte die atmosphärische Dichte in diesem Raum, in dem zum ersten Mal seit 1940 wieder Tora gelesen wurde. Ein grosses Loch in der Wand wurde in dem von der Cajewitz-Stiftung renoviertem schönen Raum bewusst so gelassen: Dort war der Aron Hakodesch des Waisenhauses herausgerissen worden. Wenige Meter entfernt stand nun unser eigener, von Anna Adam gebauter, tragbarer Aron Hakodesch mit der Beth Jacob Tora, deren einzelne Teile zwischen 70 und über 200 Jahre alt sind und bestimmt auch schon viel erlebt haben bevor sie -wahrscheinlich aus der ehemaligen Tschechoslowakei- in den USA in Sicherheit gebracht wurden.
Für die Überlassung der Fotos bedanken
wir uns herzlich bei Herrn Marco Limberg (Dieser Text ist ungewöhnlich
ausführlich ausgefallen. Die
Feier war aber für uns als Gemeinschaft so wichtig, dass eine
kurze Beschreibung ihr nicht gerecht würde). _____________________________________________________________________________ Anjas Rede zur Geschichte des Thora-Wimpels Dear guests, dear guests from Shir Tikvah,
Beim Sticken der Wimpel für die
Blumenstein-Family Tora und unsere eigene Beth Jacob Tora _____________________________________________________________________________
Hier
ein Text von Rabbi Arnie Sleutelberg aus Troy/Michigan, in dem er
seine Eindrücke von unserem gemeinsamen Torafest und seinem
Besuch
in Berlin zusammenfasst. Den zitierten Artikel aus der
"Jüdischen
Allgemeinen" können Sie auch auf unserer Presseseite lesen. Die Rolle aus Amerika The Torah Scroll from America FEIER Ein Rabbi aus Detroit liest aus der Tora, die seine Gemeinde Berlin schenkte CELEBRATION A rabbi from Detroit reads from the Torah which his congregation had gifted to Berlin So read the headlines of a feature article in the Berlin Jewish News, the “Jüdische Allgemeine.” http://www.juedischeallgemeine.de/epaper/pdf.php?pdf=../imperia/md/content/ausgabe/2009/ausgabe49/14.pdf After deciding to commission the writing of a new Torah, the Board of Trustees of Congregation Shir Tikvah decided to share our good fortune by passing forward a Torah which had been gifted to us by Temple Beth Jacob in Pontiac. We sought to find a deserving, viable, egalitarian congregation for whom this would be their only Torah. A Torah donation committee was formed, applications were distributed around the world on the internet, and nine deserving applications were received. The committee narrowed the field to three and the Board of Trustees chose Ohel HaChidusch in Berlin, Germany for several reasons. First, they are egalitarian and viable with devoted leadership. Second, unlike other Berlin congregations, they are welcoming of the intermarried, as well as those who, 60 years after the Holocaust, are attempting to reconnect with their Jewish ancestry (though technically not yet Jewish themselves). And like Shir Tikvah, they are welcoming of the Lesbian, Gay, Bi and Transgender community. In Shir Tikvah’s new Ark a place of holy memory will always be kept for our Holocaust Torah. It came to us because its congregation in Eastern Europe was destroyed. However, now that there is a resurgent Jewish community in Eastern Europe, even in Germany’s capitol, it is fitting that we return a Torah, the Beth Jacob Torah, to Eastern Europe, to Berlin, in a clarion call proclaiming that Am Yisrael Chai, the People of Israel lives. At our Dedication Ceremony last December, representing Ohel HaChidusch was their spiritual leader, Cantor Jalda Rebling. Our President, Erica Peresman and our Torah donation committee chair, Eileen Nowikowski, passed the Beth Jacob Torah to Shir Tikvah’s Holocaust survivors, Edith Bernstein, Wolf Gruca, John Kovacs and my Mom, Edith Sleutelberg, who, on our behalf, passed the Torah to Cantor Rebling. In the most moving moment of the evening, Cantor Rebling accepted the Torah, tearfully thanked the congregation, and slowly walked off the Bima and down the aisle as the congregation equally tearfully sang, “May You Be Blessed As You Go On Your Way” by Debbie Freedman. This moment proved once again what we all know already; that as great as it is to receive, it’s even better to give. Nearly a year later, Congregation Ohel HaChidusch hosted its Torah Consecration ceremony in the sanctuary of what was formerly a Jewish orphanage. With representatives of the Christian and Muslim faiths in attendance, 3 rabbis, 1 cantor, 20 people connected to Shir Tikvah, and dozens of others, the Beth Jacob Torah was taken from its newly constructed Ark, unwrapped from its newly embroidered Wimple, unrolled, read, and consecrated. Seven times a portion was chanted, and beautiful Divrei Torah with blessings were shared, many by Shir Tikvah members. I had the privilege of chanting the Priestly Benediction. Irv Wengrow from Troy shared that being a part of the Kabbalat Shabbat service and Consecration helped him to know that we had made the right decision in gifting the Torah to Ohel HaChidusch. A film crew documented the evening as well as reporters from Berlin’s newspapers. It was thrilling to be a part of this historic event. Ohel HaChidusch, because it is welcoming of those who are shunned from other congregations, has had difficulty obtaining funding or any assistance from Berlin’s Jewish community. How sad that they are discriminated against as a congregation for being open and welcoming. Many descendants of pre-war Jews are discovering their Jewish roots and are desirous of connecting with the Jewish community while pursuing conversion. Unlike other Berlin congregations, Ohel HaChidusch is welcoming of those who wish to learn, experience and grow into their Judaism. In addition to participating in the Shabbat and Consecration services, we toured Berlin, taking in the sites of East and West, the remnants of the wall, the new government buildings, the Reichstag, the Holocaust Memorial and Museum, and numerous other memorials and cemeteries. But most of all, we listened to stories … of the war, the wall, Jewish life under communism, and the resurgent Jewish community. Cantor Jalda Rebling was born in Amsterdam just after the war. At the age of 2 her family moved to East Berlin in a futile effort to help build a socialist country of the highest standards. And there she has lived ever since. She was active in the movement that ultimately tore down the wall. In a rare swift example of “what goes around, comes around,” Cantor Jalda has accepted an offer to be Shir Tikvah’s High Holy Days Cantor this fall. Ohel HaChidusch is always lay-lead for the High Holy Days in order to be able to afford Cantor Jalda the rest of the year. She will grace our services with her angelic voice and soulful spirit. And, as Scholar-in-Residence, she will be in Troy January 15-16 for services and a Shabbat afternoon pot-luck third meal with Havdallah. As the son of Holocaust survivors, for me anything German was loathed. Buying anything German was impossible, let alone traveling there. Many times during our trip I asked myself, “What am I doing here?” But most of the time I found myself impressed with the deliberate way modern Germany deals with its past and consciously learns from it. The Holocaust is ever present in Berlin, as it actively informs Germans how to make their present and future more civilized. It appears to me that a future holocaust could happen in most any place around the world sooner than in Germany. __________________________________________________________________________________________ 6.-
8. November 2009: Workshop mit Rabbi Shefa Gold:
______________________________________________________________________________ Zum Kabbalat Schabbat Chulat Balak hatten wir einen besonderen Gast: die unorthodoxe orthodoxe Rabbinerin Eveline Goodman-Thau. Gemeinsam begrüssten wir die Braut Schabbat. Rabbinerin Goodman-Thau überraschte uns mit einem spannenden d´var Torah und wir überraschten sie mit einem Kiddusch voller kulinarischer Köstlichkeiten, von denen sie als erfahrene Köchin begeistert war. Anlässlich ihres Geburtstages gab es natürlich auch Geschenke. Aber auch Ohel Hachidusch erhielt von Rabbinerin Goodman-Thau ein Geschenk: ein handgemachtes Schabbesdeckchen aus Jerusalem. Bis in den späten warmen Sommerabend sassen wir singend und Geschichten erzählend beieinander. Rabbinerin Goodman-Thau freut sich schon auf die nächste Begegnung "im Zelt" und wir auch.
_____________________________________________________________________________ Pessach 2009/ 5769
Den 2. Sederabend am 9.April/ 15. Nissan
feierten wir in
Annas Atelier. Ein grosses Danke-schön geht an alle,
die den
Sederabend mit so viel Herz, Freude und Mühe _____________________________________________________________________ |